MedChin

Die Geschichte der MedChin

Geschichte

Die Vorgeschichte der MedChin beginnt 1986: Gerade von meinem ersten Chinaaufenthalt zurückgekehrt bin ich Feuer und Flamme für Taiji Quan und Qigong. Außerdem haben wir in China so viel Neues und Interessantes über den Background der TCM erfahren, dass der Wunsch entsteht, all dies hier bei uns erlernen und lehren zu können. 

Nun war ich damals sehr bei der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur engagiert, der ich bis heute in Freundschaft und Dankbarkeit verbunden bin. Dort wurde und wird Akupunktur qualifiziert gelehrt. Nur war damals Traditionelle Chinesische Medizin tabuisiert: Unser Chef, mein hoch verehrter Lehrer Prof. Bischko, war der Auffassung, der klassische Background sei unnötig. Es tut mir bis heute weh, dass sich unser gutes Verhältnis getrübt hat, weil ich eben anderer Ansicht war und das auch in meinem Akupunkturunterricht zum Tragen kam. Nicht genug damit begannen sich auch viele andere Referenten und Referentinnen für TCM zu interessieren. Nun kam mir ein glücklicher Zufall zu Hilfe: Es bestand ein damals ruhender Verein namens "Verein zur Förderung der chinesischen Bewegungskultur". Alexander Meng, einer meiner liebsten Freunde und damals, glaube ich, Obmann, schlug mir vor, den Verein zu reanimieren. Und so geschah es. Der Verein erhielt einen neuen Namen: Medizinische Gesellschaft für chinesische Gesundheitspflege in Österreich, MEDCHIN, und am 17. Dezember 1987 wurde die erste Generalversammlung abgehalten. Kinder, wie die Zeit vergeht! 2007 war also das 20-Jahr-Jubiläum der MedChin Und das haben wir gehörig gefeiert, im Rahmen des TCM Kongresses, bei dem  alle einschlägigen Gesellschaften mitmachten!

 

Anfangs stand bei der MedChin Taiji im Vordergrund 

1989 kam unser verehrter Taiji-Lehrer Zhang Xiao Ping aus China nach Österreich, alsbald kam seine Familie nach und mittlerweile sind sie alle Österreichische Staatsbürger. Wer sind "alle"? Die ganze Familie Zhang inklusive der beiden wohlgeratenen Söhne. Zhang Xiao Ping hat ein eigenes Taiji-Studio: Kremsergasse 1/2a, Ecke Fleschgasse, 1130 Wien, Tel: 43 (0)1 27 00 688, Email: zhangxp(at)aon.at, Website: www.zhang.at.http://www.naturverstand.at/ 

Die Hauptrichtung der MedChin hat sich im Laufe der Jahre gewaltig geändert: In den späten 80ern haben wir einmal jährlich am Weissensee einen Workshop für Chinesische Arzneitherapie abgehalten. Als Präsidentin der MedChin wollte ich weder der Österreichischen Gesellschaft für Akupunktur noch Alexander Meng´s Bruder Gustav Konkurrenz machen, deshalb haben wir keine vollständigen Ausbildungen angeboten. Irgendwo ist aber der Wunsch danach immer im Raum gestanden. 

1997 habe ich deshalb bei allen mit Chinesischer Arzneitherapie befassten Gesellschaften angeregt, gemeinsam ein Curriculum für die TCM-Grundlagen-Ausbildung zu erarbeiten und einen dementsprechenden Lehrgang zu veranstalten. Die Reaktion: Ablehnung. Etlichen Referenten und Referentinnen ist von ihren Gesellschaften schlicht und einfach verboten worden mitzutun. Verstanden habe ich das nie. Wahrscheinlich war ich zu schnell und zu enthusiastisch und zu undiplomatisch. Aber das ist Schnee von gestern. Wenden wir uns der Gegenwart zu. 

 

Vom ersten bis zum sechsten Postgraduate Lehrgang für Traditionelle Chinesische Medizin (PG1 bis PG6)

Jedenfalls, nach einer Schock-Phase beschließe ich 1997, es einfach selbständig zu probieren. Und jetzt kommt ein Glücksfall: Im Rahmen eines privaten Kurses (initiiert von Dr. Patrick Ehrlich) lerne ich Francois Ramakers kennen, einen begnadeten Lehrer der TCM. Mit Ramakers wird ein Curriculum ausgearbeitet und – wieder ein Schock: 1998 erkankt Ramakers an einem Nierenkarzinom. Ramakers wird zum Glück wieder gesund und am 19.03.99 startet der erste Postgraduate Lehrgang für Traditionelle Chinesische Medizin in Zusammenarbeit MedChin und Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED). Hauptreferenten sind Ramakers und Englert. Vorerst sind wir in Oberlaa untergebracht, dann übersiedeln wir mit der GAMED auf die Baumgartner Höhe. Am 13. Jänner 2001 findet die erste Arzneitherapie-Diplomprüfung statt, welche 22 Kandidaten / Kandidatinnen bestehen. Von 16.03.01-15.06.2003 läuft der 2. Postgraduate Lehrgang für Postgraduate Lehrgang für Chinesische Diagnostik und Arzneitherapie, kurz PG6 genannt. Da die Aufwendungen rund um den Kurs bei der GAMED den Grossteil der Einnahmen verschlingen, macht sich die MedChin komplett selbständig und übersiedelt mit dem Lehrgang zuerst ins AKH, später ins Kaiserin Elisabeth Spital, wo uns die Österreichische Gesellschaft für Akupunktur, allen voran Manfred Richart, sehr hilft. Auch im märchenhaft schönen Paludinerstift in Hietzing finden wir zeitweise Unterkunft. Letztlich übersiedeln wir ins Kolpinghaus in der Gentzgasse. Das ist nahe genug bei der MedChin so dass wir jederzeit Vergessenes oder Nachschub holen können. 

Im April 2005 – noch während der PG3 läuft – trifft die MedChin ein schwerer Schlag: Francois Ramakers erkrankt und kann nicht mehr unterrichten. Wir Referenten und Referentinnen der MedChin übernehmen die Staffel und führen die Kurse in seinem Sinn weiter: Qualität, Qualität, Qualität. 

Der Andrang der Wissensdurstigen reißt zum Glück nicht ab. Gleich im Anschluss findet der PG4 statt, mit den meisten Veranstaltungen im Kolpinghaus Währing. 

Mittlerweile sind wir beim sechsten PG angelangt, der im Seminarraum der MedChin stattfindet. Hier haben wir auch von 06.03.09 bis 20.06.11 den ersten MedChin Akupunktur-Meisterkurs abgehalten Finanziell war er kein besonderes Highlight aber inhaltlich schon. 

 

Zusammenarbeit, Freunde und Konkurrenten

Noch eine Schiene fahren wir eine zeitlang, nämlich den Professional Herbal Training Course (PHTC): 26.-28.3.2004 beginnt der erste in Wien. In diesem Lehrgang werden Informationen geboten, die weit über das übliche Ausmaß hinausgehen; etwa unter dem Motto: "Was Sie schon immer über TCM wissen wollten, Ihnen aber keiner gesagt hat." Gleichzeitig veranstaltet Ramakers einen identischen Kurs bei Pro Medico, einer Deutsch-Österreichischen Gesellschaft mit zwei Kursorten, nämlich Österreich, Weissensee und Mannheim, Deutschland. Aber das ist den Teilnehmerinnen und Teilnehmer anscheinend zu kompliziert und so läuft das Projekt aus. 

1008-2011 findet in Zusammenarbeit mit der Wiener Schule für Traditionelle Chinesische Medizin ein sehr erfolgreicher Lehrgang  über TCM-Gynäkologie statt. 

Waren wir früher oft Konkurrenten, so sind wir jetzt großteils Freunde. Dazu trägt auch Leopold Dorfer mit den alljährlichen Tao-TCM-Kongressen sehr viel bei und der Dachverband TCM engagiert sich auch immer mehr. 

 

Wir werden 25!

Kinder, Kinder, es ist nicht zu glauben: Wir kommen in die Jahre und werden 25! Und das werden wir auch gehörig feiern, u.a. im Rahmen des Internationalen Tao-TCM-Kongresses im September 2012. Wenn man so eine Minderheit darstellt wie wir TCM-Arzneitherapeuten, dann muss man einfach zusammenhalten! 

 

Die Zukunft

Im Herbst 2012 soll ein neuer TCM-Gyn-Kurs beginnen, spätestens im Wintersemester 2013 der PG7. Ich träume von „integrierenden Seminaren“. Dabei sollen westliche Diagnosen à la TCM interpretiert und anschließend Möglichkeiten von Akupunktur, Chinesischer Arzneitherapie, TCM-Diätetik, Bewegungsübungen etc. erörtert werden. 

Unsere Geschichte ist – hoffentlich – noch lange nicht abgeschlossen. Ich hoffe, dass es nur mehr Freundschaften geben wird. Dank dem Himmel, dass meine Studentinnen und Studenten besser werden als ich! Und ich wünsche mir, dass die Chinesische Arzneitherapie einen triumphalen Siegeszug erlebt. Und dass es uns gelingt, die Freude und Begeisterung von uns Referentinnen und Referenten an unsere Studentinnen und Studenten weiterzugeben. 

Prof. Dr. med et Mag. phil Gertrude Kubiena, 13. Dezember 2011